Grüne Mobilität, grüner Aufschwung, bürgernahe digitale Verwaltung... Dezentrale Regierungsebenen können eine Schlüsselrolle dabei spielen, eine nachhaltige Entwicklung im Einklang mit den SDGs der Vereinten Nationen voranzutreiben. Regierungen und Verwaltungen der deutschen Bundesländer stehen vor vielen ähnlichen Herausforderungen wie dezentrale Regierungs- und Verwaltungsebenen in Partnerländern der deutschen Entwicklungszusammenarbeit. Das Decentralised Development Lab (DDLab) wurde initiiert, um Stakeholdern aus verschiedenen Ländern die Möglichkeit zu geben, innovative Lösungen für solche gemeinsamen Herausforderungen zu entwickeln. Das DDLab wurde in seiner zweiten Phase (2019-2023) vom Bund-Länder-Programm im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) in Zusammenarbeit mit der minds&makers GmbH und enpact e.V. durchgeführt.
Zentrale Frage
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Wie können Akteur*innen aus dezentralen staatlichen Ebenen - wie Städte, Landkreise und Regionen - ihre Kräfte bündeln und länderübergreifende Synergien schaffen, um innovative Lösungen für die Herausforderungen der nachhaltigen Entwicklung zu finden?
- Vier gemeinsame Herausforderungen zwischen deutschen Bundesländern und dezentralen Akteure*innen aus Partnerländern wurden formuliert
- Vier Teams aus Partnerländern wurden im Rahmen eines internationalen Ideenaufrufs ausgewählt. Sie erhielten Coaching, Training, fachlichen Austausch mit Partner*innen aus dem Bundesland und den Partnerländern sowie finanzielle Unterstützung, um Lösungen für ihre spezifischen Herausforderungen zu entwickeln
Eine Beschreibung des gesamten DDLab-Prozesses und unserer Erkenntnisse finden Sie in unserer Broschüre.

Phase 1+2
Das Decentralised Development Lab startete Anfang 2021 mit einem Call for Challenges, der über die Bundesländer und Partnerländer der deutschen Entwicklungszusammenarbeit verbreitet wurde. Weitere Informationen zu den Challenges finden Sie in der Broschüre (Seite 7). The Decentralised Development Lab started in the beginning of 2021 with a that was spread across the German federal states and partner countries of German development cooperation.
- Das DDLab-Team erhielt mehr als 25 Challenges, die von Bundesländern, Forschungseinrichtungen, NGOs oder staatlichen Institutionen aus Partnerländern eingereicht wurden.
- Innovationsexpert*innen und das DDLab-Team wählten vier Challenges aus.
- Für die ausgewählten Challenges wurden interessierte Ministerien in den Bundesländern sowie interessierte Gruppen oder Institutionen in den Partnerländern identifiziert. Die Challenges befassten sich mit den Themen nachhaltige E-Mobilität, inklusive Digitalisierung, weibliches Unternehmertum und mangrovenfreundliche Aquakultur.
- Weitere Informationen zu den Challenges finden Sie in der Broschüre (Seite 7).
Phase 3
Im November 2021 begann die dritte Phase des DDLab mit der Veröffentlichung eines internationalen Aufrufs zur Einreichung von Ideen (Call for Ideas).
- Im Rahmen dieses Aufrufs suchte das DDLab-Team Teams aus kreativen Einzelpersonen und mit unterschiedlichem Hintergrund, um Lösungen für die vier Herausforderungen zu entwickeln.
- 180 Ideen aus der ganzen Welt gingen ein!
- In einem transparenten Auswahlverfahren wurden 19 Teams in die engere Wahl gezogen und Interviews mit ihnen geführt, um ihre Ideen eingehender zu bewerten.
- Schließlich wurden vier Teams für die nächste Phase, die Inkubatorphase, ausgewählt.
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Die Teams
MANGROVENFREUNDLICHE AQUAKULTUR
Das Team zu mangrovenfreundlicher Aquakultur setzte sich aus Vertreter*innen einer lokalen Gemeinschaft in Lembar-Selatan sowie verschiedener Community Projekte in Indonesien zusammen. Die vorgeschlagene Idee zielte darauf ab, einerseits die Dorfbewohner*innen durch Sensibilisierungsmaßnahmen von mangrovenfreundlicher Aquakulturbewirtschaftung zu überzeugen und andererseits durch einen geschützten Mangrovenwald Einkommensmöglichkeiten mit Ökotourismus zu schaffen. Darüber hinaus sollten digitale Instrumente zum Einsatz kommen, um Ebbe und Flut in der Region besser vorherzusagen und so Katastrophen vorzubeugen, den Tourismus zu vereinfachen und die Bewirtschaftung zu verbessern
BA11Y – INKLUSIVE DIGITALISIERUNG
„Ba11y“ ist eine Kooperation zwischen Personen aus dem Social-Entrepreneur- und dem IT-Bereich. Das Ziel ist die Erstellung eines digitalen Instruments, welches ermöglicht, dass Menschen mit Behinderung digitale Angebote öffentlicher Dienstleistungen melden können, wenn diese für bestimmte Gruppen nicht zugänglich sind. Der Fokus lag dabei auf Menschen mit Sehbeeinträchtigungen. Damit sorgt Ba11y für eine höhere Aufmerksamkeit für digitale Barrierefreiheit und ermöglicht, dass staatliche Strukturen ihre Angebote inklusiver entwickeln können. Das Team erhielt nach dem Ende des Inkubators verschiedene Preise und Förderungen in Indonesien und ist mittlerweile Teil der Open Government Partnership in Indonesien.
TRANSISI – NACHHALTIGE E-MOBILITÄT
TRANSISI besteht aus verschiedenen indonesischen Ingenieur*innen mit langjähriger Arbeitserfahrung in den Niederlanden und Indonesien sowie Expert*innen zum Stakeholder-Management, öffentlichen Finanzierungen und Nachhaltigkeit. Nach einer zunächst sehr breit angelegten Idee für ein digitales Finanzierungstool für E-Busse in Jakarta fand eine Pivotierung der Idee statt und der neue Fokus lag nun auf Bereitstellung von digitalen Dienstleistungen für die Betreiber*innen von Ladeinfrastruktur. Das Team entwickelte im Akzelerator ein digitales Dashboard mit einer dazugehörigen Software, um den Betreibern von Ladeinfrastruktur jederzeit den Überblick über Nutzung und Kosten ihrer Ladesäulen zu geben. Diese Lösung wurde nun zuerst mit E-Autos pilotiert und ist unabhängig von der Hardware der Ladesäule einsetzbar. Damit ist sie schnell skalierbar und soll perspektivisch bei E-Bussen zum Einsatz kommen mit dem Ziel, selbst die Ladeinfrastruktur anzubieten. Das Team hat bereits verschiedene Preise und Fördermöglichkeiten in Indonesien gewonnen und bereitet sich auf den Markteintritt vor.
BECOMING NALA - UNTERNEHMERINNEN IM LÄNDLICHEN RAUM
Becoming Nala ist ein Team aus Unternehmerinnen aus Deutschland und Ruanda, die gemeinsam an einer Plattform für Unternehmerinnen im ländlichen und städtischen Ruanda arbeiten. Die Idee hat ein hohes Skalierungspotential für andere Länder in der Region. Es ist eine digitale Plattform, bei der sich Unternehmerinnen aus dem ländlichen Raum mit Frauen aus der Stadt vernetzen und sich darüber austauschen können, wie verschiedene Business-Herausforderungen überwunden werden können. Dabei werden sie von Mentor*innen aus der ganzen Welt unterstützt. Die Plattform soll neben der Vernetzung auch Trainings sowie Finanzierungsmöglichkeiten anbieten. Aufgrund der mangelhaften digitalen Zugänglichkeit im ländlichen Ruanda wird die Plattform zusätzlich verschiedene Offline-Events anbieten. Das Ziel ist, eine Bewegung aufzubauen. Die Idee wird von verschiedenen Stiftungen in Deutschland und Ruanda finanziell unterstützt.
Phase 4
Das fünf-monatige Inkubator-Programm
- Während dieser Phase des DDLab erhielten die vier ausgewählten Teams finanzielle Zuwendungen, Coaching-Sitzungen, technisches Fachwissen und die Möglichkeit, ihre Lösungen zu testen und zu validieren. Alle Teams kamen in Berlin zu einem Midterm-Workshop zusammen, um Stakeholder zu treffen und einen kurzen Design-Sprint durchzuführen.
- Im Juli 2022 reichten die vier Teams detaillierte Projektvorschläge ein, die von einer Jury sowie technischen und regionalen Experten der GIZ und ihren Coaches bewertet wurden.
- Im August hatten sie die Möglichkeit, ihre Ideen der Jury und einem breiteren Publikum vorzustellen.
- Da zwei der Teams die gleiche Punktzahl erreichten, wurde beschlossen, zwei Gewinnerteams zu bestimmen, die sich die finanziellen Zuwendungen und den Zugang zu einem Beschleunigungsprogramm (Accelerator) teilen werden.
Phase 5
Zwischen September 2022 und März 2023 erhielten die beiden Gewinnerteams (TRANSISI, das sich mit der Herausforderung der Elektromobilität befasst, und Becoming Nala, das sich mit der Herausforderung des weiblichen Unternehmertums befasst) besondere Unterstützung in einer sieben-monatigen Beschleunigungsphase (acceleration phase).
- Coaching und Schulungen sowie drei persönliche Workshops zur Ideenverfeinerung und Geschäftsentwicklung in Berlin, Jakarta und Kigali
- Die Teams erhielten jeweils finanzielle Unterstützung für die Beauftragung von Dienstleistern, um mit der Pilotierung ihrer Lösung zu beginnen.
- Am Ende des Accelerators im März 2023 kamen die beiden Teams mit der GIZ und enpact in Kigali, Ruanda, zum Wrap Up Workshop des DDLab zusammen.
- Becoming Nala stellte seine Plattform im Rahmen einer Veranstaltung im Digital Transformation Center der GIZ in Kigali, an der verschiedene ruandische Ministerien, GIZ-Projekte und die deutsche Botschaft teilnahmen, einer breiteren Öffentlichkeit vor.
- TRANSISI hatte die Möglichkeit, sich mit einem führenden Start-up aus dem ruandischen E-Mobilitätssektor über Strategien zur Einbindung ihrer Unternhmen in bestehende staatliche Investitionen auszutauschen.
- Der Workshop bot beiden Teams die Möglichkeit, sich auf die Schritte nach dem Ende des DDLab vorzubereiten.
Fazit
Das DDLab war ein innovatives Format des BLP und nutzte die bestehenden Kooperationsstrukturen und Netzwerke. Die Schaffung von Lern- und Praxisnetzwerken zwischen den Bundesländern und den Partnerländern sowie der kontinuierliche Kontakt zu den geförderten Start-ups haben vielfältige Möglichkeiten für die Entwicklung von Start-ups in der Frühphase geschaffen. Die teilnehmenden Bundesländer und die Partnerländer hatten die Möglichkeit, das Potenzial agiler und innovativer Methoden in der öffentlichen Verwaltung auszuloten. Damit schuf das DDLab einen Rahmen für den Austausch zu aktuellen Herausforderungen, mit denen dezentrale Verwaltungen weltweit konfrontiert sind. Die erprobten Lösungen sind von hoher Relevanz. Beide Teams konnten zeigen, dass sie gute Chancen haben, ihre jeweiligen Produkte auf den Markt zu bringen. Digitalisierung, Innovation und Agilität werden in den kommenden Jahren in der Entwicklungszusammenarbeit immer wichtiger werden. Innovative und agile Kompetenzen haben das Potenzial, die beteiligten Institutionen aus den Bundesländern und Partnerländern dabei zu unterstützen, den Wandel in einer zunehmend volatilen Welt nachhaltig zu gestalten. Wir freuen uns darauf, als BLP die anstehenden Herausforderungen in der dezentralen Entwicklungszusammenarbeit zu unterstützen!