Namibia hat eine der höchsten Jugendarbeitslosenquoten in Afrika: Nach Angaben des BMZ lag sie 2023 bei den 15- bis 24-Jährigen bei rund 38 %. Die Arbeitslosigkeit unter jungen Erwachsenen ist in städtischen Armutsgebieten besonders hoch und wird durch unzureichende Schulabschlüsse, geringe Alphabetisierungsraten und fehlende berufliche Perspektiven noch verschärft. Viele junge Menschen verlassen das formale Bildungssystem vorzeitig, ohne die für den Arbeitsmarkt erforderlichen Grundqualifikationen erworben zu haben. Das namibische Schulsystem sieht eine 11-jährige Schulpflicht vor. Wer diese nicht abschließt, hat keinen Zugang zu technischen und beruflichen Bildungs- und Ausbildungszentren (TVET), was bedeutet, dass insbesondere benachteiligte Jugendliche systematisch von der beruflichen Bildung ausgeschlossen werden.
Darüber hinaus weist das formale Berufsbildungssystem in Namibia hohe Zugangsbarrieren auf, insbesondere für Jugendliche mit niedrigem formalen Bildungsniveau oder informellem Hintergrund. Frauen sind zusätzlich von geschlechtsspezifischen Zugangsbarrieren betroffen. Gleichzeitig besteht eine hohe Nachfrage nach einfachen Dienstleistungen im Bau- und Reparaturbereich, die durch niedrigschwellige Qualifizierungsmaßnahmen gedeckt werden könnte. Ausgangspunkt des Projekts sind die positiven Erfahrungen aus den vom Berliner Staatsministerium für Entwicklungszusammenarbeit finanzierten Projekten Capture I und Capture II. Diese Projekte konzentrierten sich auf Ausbildungsmaßnahmen für informelle Straßenverkäufer in Windhoek. Die dort erprobten Ansätze – insbesondere die Vermittlung grundlegender handwerklicher Fertigkeiten – werden nun in einem Projekt im Rahmen des Programms der Bundesregierung und der Bundesländer systematisch weiterentwickelt und auf eine breitere Zielgruppe übertragen. Der Schwerpunkt liegt auf praktischen, kurzfristigen Bildungsmaßnahmen zur Vermittlung grundlegender technischer Fertigkeiten wie der Reparatur von Türen, Fenstern und Sanitäranlagen sowie einfachen Installationen. Diese Qualifikation ermöglicht den Teilnehmenden den Zugang zu ersten Einkommensmöglichkeiten und verbessert nachhaltig ihre Beschäftigungsfähigkeit und soziale Teilhabe.
Projektziel
Das Projekt zielt darauf ab, die Qualifikationslücke unter jungen Menschen in Namibia zu verringern und sie durch praktische Berufsausbildung, unternehmerische Kompetenzen, Gleichstellung der Geschlechter und politische Bildung zu stärken – für ein selbstbestimmtes und sozial engagiertes Leben.